Seesterne im Meerwasseraquarium
Seesterne (Asteroidea) gehören zum Stamm der Stachelhäuter (Echinodermata) und sind in fast jedem Riffaquarium ein optisches Highlight. Doch Vorsicht: Viele der bunten Arten, die im Handel angeboten werden, sind Nahrungsspezialisten und für junge Becken ungeeignet. Dieser Guide hilft dir, die richtige Wahl zu treffen und die Tiere langfristig gesund zu halten.
1. Allgemeine Anforderungen & Wasserwerte
Seesterne besitzen kein Gehirn und kein echtes Blut, sondern ein Ambulacralsystem (ein Wassergefäßsystem), mit dem sie sich bewegen und Nährstoffe transportieren. Da dieses System direkt mit dem Umgebungswasser interagiert, reagieren sie extrem empfindlich auf Dichteschwankungen.
Ideale Wasserwerte
- Dichte (Salinität): Muss sehr stabil sein! 1.023 – 1.024 (bzw. 35 psu).
- Temperatur: 24°C – 26°C.
- Nitrat (NO3) & Phosphat (PO4): Niedrig, aber nachweisbar. Zu hohe Nährstoffwerte können Bakterieninfektionen begünstigen; "Nullwerte" führen oft zum Verhungern (da der Biofilm zurückgeht).
- Beckenalter: Für die meisten Arten (außer Sandseesterne) sollte das Becken mindestens 6–12 Monate stehen, damit sich genügend Mikrofauna und Biofilme gebildet haben.
2. Der kritischste Punkt: Kauf und Eingewöhnung
Etwa 50% der Seesterne sterben innerhalb des ersten Monats aufgrund von zwei Fehlern: Osmotischer Schock und Luftkontakt.
Die "Niemals an die Luft"-Regel
Seesterne dürfen niemals aus dem Wasser gehoben werden.
- Der Grund: Gelangt Luft in das Ambulacralsystem, kann der Seestern diese oft nicht mehr herauspressen. Es entsteht eine Embolie, das Kanalsystem verstopft, das Tier stirbt langsam ab.
- Transport: Beim Kauf darauf achten, dass der Händler das Tier unter Wasser eintütet.
Die Tröpfchenmethode (Eingewöhnung)
Eine schnelle Anpassung tötet das Gewebe (Nekrose/Auflösen der Armspitzen).
- Lege den Transportbeutel in einen Eimer (oder lass ihn im Becken schwimmen zum Temperaturausgleich).
- Gib über einen Zeitraum von 2 bis 4 Stunden tröpfchenweise Aquarienwasser hinzu (am besten mit einem Luftschlauch und einer Klemme).
- Das Wasservolumen sollte sich mindestens vervierfachen.
3. Beliebte Arten und ihre Eignung
Nicht jeder Seestern passt in jedes Becken. Hier ist eine Unterscheidung nach Schwierigkeitsgrad:
A) Für Einsteiger & Saubermänner
Grabender Seestern (Archaster typicus)
- Aussehen: Grau-beige mit Muster, eher unauffällig.
- Funktion: Der nützlichste Seestern überhaupt. Er lebt im Sand, gräbt ihn um und frisst Futterreste sowie Detritus.
- Futter: Futterreste, Detritus. Sollte bei sehr sauberem Bodengrund gezielt mit Futtertabletten, die im Sand vergraben werden, zugefüttert werden.
- Haltung: Unproblematisch, Paarhaltung möglich.
Gänsefußseestern (Asterina sp.)
- Aussehen: Winzig (0,5 – 1 cm), meist weiß/grau, oft asymmetrisch.
- Status: Kommen meist als "blinde Passagiere" mit Lebendgestein.
- Achtung: Vermehren sich durch Teilung rasant. Einige Arten fressen Algen (gut), andere gehen an Krustenanemonen (Zoanthus) oder SPS-Korallen (schlecht). Im Zweifel absammeln oder Harlekin-Garnelen (Fressfeinde) einsetzen (nur leihweise!).
B) Für Fortgeschrittene (Aufwuchsfresser)
Diese Tiere sind wunderschön, verhungern aber oft langsam (über 6-12 Monate), da sie Biofilme, Bakterienrasen und Schwämme fressen, die wir nicht künstlich füttern können.
Roter Seestern (Fromia monilis / Fromia milleporella)
- Aussehen: Leuchtend rot, teils mit Plattenmuster. Bleibt relativ klein (bis 10 cm).
- Problem: Sehr empfindlich auf Dichteschwankungen.
- Futter: Ernährt sich fast ausschließlich von Mikroorganismen auf Steinen. Nimmt kaum Ersatzfutter an.
- Voraussetzung: Becken ab 300 Liter, Standzeit > 1 Jahr, viel Lebendgestein.
Blauer Seestern (Linckia laevigata)
- Aussehen: Intensives Königsblau. Wird groß (bis 30-40 cm).
- Problem: Braucht riesige Flächen zum Abweiden. In Becken unter 500-700 Litern fast nicht dauerhaft haltbar.
- Voraussetzung: Großes, gut eingefahrenes Riff. Sehr transportempfindlich.
C) Vorsicht: Räuber!
Walzen-Seestern / Noppenseestern (Protoreaster nodosus)
- Aussehen: Oft beige mit großen, dunklen Noppen ("Chocolate Chip Starfish"). Sehr robust.
- Gefahr: Nicht riffgeeignet! Er ist ein Fleischfresser und frisst Korallen, Muscheln, Schnecken und manchmal schlafende Fische.
- Eignung: Nur für reine Fischbecken oder Artenbecken ohne Korallen.
4. Krankheiten und Probleme
"Melting" (Auflösung)
Wenn sich an den Armspitzen oder am Zentralkörper weißer Schleim bildet und das Gewebe zerfällt, ist dies meist ein Zeichen für einen osmotischen Schock (zu schnelle Eingewöhnung) oder fortgeschrittenes Verhungern.
- Maßnahme: Kaum behandelbar. Manchmal hilft ein Bad in einer leichten Jod-Lösung (spezielle Aquaristik-Produkte), aber die Überlebenschance ist gering.
Fressfeinde
Vermeide die Vergesellschaftung mit:
- Drückerfischen
- Kugelfischen / Kofferfischen
- Großen Lippfischen
- Harlekin-Garnelen (Hymenocera picta) – diese ernähren sich ausschließlich von Seesternen.
5. Fazit & Checkliste vor dem Kauf
Bevor du einen Seestern kaufst, stelle dir folgende Fragen:
- Wie alt ist mein Becken? (Unter 6 Monate: Warte lieber noch, außer beim Archaster).
- Habe ich Sand? (Wenn ja: Archaster typicus ist ideal).
- Will ich Farbe? (Sei dir bewusst, dass Fromia und Linckia oft verhungern, wenn das Becken zu "steril" oder zu klein ist).
- Habe ich Fressfeinde im Becken?
Ein Seestern ist kein Tier, das man "einfach so" dazu setzt. Mit der richtigen Vorbereitung und einer sehr langsamen Eingewöhnung können Arten wie der Archaster typicus jedoch jahrelange, nützliche Begleiter sein.
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Seesterne im Meerwasseraquarium
Seesterne (Asteroidea) gehören zum Stamm der Stachelhäuter (Echinodermata) und sind in fast jedem Riffaquarium ein optisches Highlight. Doch Vorsicht: Viele der bunten Arten, die im Handel angeboten werden, sind Nahrungsspezialisten und für junge Becken ungeeignet. Dieser Guide hilft dir, die richtige Wahl zu treffen und die Tiere langfristig gesund zu halten.
1. Allgemeine Anforderungen & Wasserwerte
Seesterne besitzen kein Gehirn und kein echtes Blut, sondern ein Ambulacralsystem (ein Wassergefäßsystem), mit dem sie sich bewegen und Nährstoffe transportieren. Da dieses System direkt mit dem Umgebungswasser interagiert, reagieren sie extrem empfindlich auf Dichteschwankungen.
Ideale Wasserwerte
- Dichte (Salinität): Muss sehr stabil sein! 1.023 – 1.024 (bzw. 35 psu).
- Temperatur: 24°C – 26°C.
- Nitrat (NO3) & Phosphat (PO4): Niedrig, aber nachweisbar. Zu hohe Nährstoffwerte können Bakterieninfektionen begünstigen; "Nullwerte" führen oft zum Verhungern (da der Biofilm zurückgeht).
- Beckenalter: Für die meisten Arten (außer Sandseesterne) sollte das Becken mindestens 6–12 Monate stehen, damit sich genügend Mikrofauna und Biofilme gebildet haben.
2. Der kritischste Punkt: Kauf und Eingewöhnung
Etwa 50% der Seesterne sterben innerhalb des ersten Monats aufgrund von zwei Fehlern: Osmotischer Schock und Luftkontakt.
Die "Niemals an die Luft"-Regel
Seesterne dürfen niemals aus dem Wasser gehoben werden.
- Der Grund: Gelangt Luft in das Ambulacralsystem, kann der Seestern diese oft nicht mehr herauspressen. Es entsteht eine Embolie, das Kanalsystem verstopft, das Tier stirbt langsam ab.
- Transport: Beim Kauf darauf achten, dass der Händler das Tier unter Wasser eintütet.
Die Tröpfchenmethode (Eingewöhnung)
Eine schnelle Anpassung tötet das Gewebe (Nekrose/Auflösen der Armspitzen).
- Lege den Transportbeutel in einen Eimer (oder lass ihn im Becken schwimmen zum Temperaturausgleich).
- Gib über einen Zeitraum von 2 bis 4 Stunden tröpfchenweise Aquarienwasser hinzu (am besten mit einem Luftschlauch und einer Klemme).
- Das Wasservolumen sollte sich mindestens vervierfachen.
3. Beliebte Arten und ihre Eignung
Nicht jeder Seestern passt in jedes Becken. Hier ist eine Unterscheidung nach Schwierigkeitsgrad:
A) Für Einsteiger & Saubermänner
Grabender Seestern (Archaster typicus)
- Aussehen: Grau-beige mit Muster, eher unauffällig.
- Funktion: Der nützlichste Seestern überhaupt. Er lebt im Sand, gräbt ihn um und frisst Futterreste sowie Detritus.
- Futter: Futterreste, Detritus. Sollte bei sehr sauberem Bodengrund gezielt mit Futtertabletten, die im Sand vergraben werden, zugefüttert werden.
- Haltung: Unproblematisch, Paarhaltung möglich.
Gänsefußseestern (Asterina sp.)
- Aussehen: Winzig (0,5 – 1 cm), meist weiß/grau, oft asymmetrisch.
- Status: Kommen meist als "blinde Passagiere" mit Lebendgestein.
- Achtung: Vermehren sich durch Teilung rasant. Einige Arten fressen Algen (gut), andere gehen an Krustenanemonen (Zoanthus) oder SPS-Korallen (schlecht). Im Zweifel absammeln oder Harlekin-Garnelen (Fressfeinde) einsetzen (nur leihweise!).
B) Für Fortgeschrittene (Aufwuchsfresser)
Diese Tiere sind wunderschön, verhungern aber oft langsam (über 6-12 Monate), da sie Biofilme, Bakterienrasen und Schwämme fressen, die wir nicht künstlich füttern können.
Roter Seestern (Fromia monilis / Fromia milleporella)
- Aussehen: Leuchtend rot, teils mit Plattenmuster. Bleibt relativ klein (bis 10 cm).
- Problem: Sehr empfindlich auf Dichteschwankungen.
- Futter: Ernährt sich fast ausschließlich von Mikroorganismen auf Steinen. Nimmt kaum Ersatzfutter an.
- Voraussetzung: Becken ab 300 Liter, Standzeit > 1 Jahr, viel Lebendgestein.
Blauer Seestern (Linckia laevigata)
- Aussehen: Intensives Königsblau. Wird groß (bis 30-40 cm).
- Problem: Braucht riesige Flächen zum Abweiden. In Becken unter 500-700 Litern fast nicht dauerhaft haltbar.
- Voraussetzung: Großes, gut eingefahrenes Riff. Sehr transportempfindlich.
C) Vorsicht: Räuber!
Walzen-Seestern / Noppenseestern (Protoreaster nodosus)
- Aussehen: Oft beige mit großen, dunklen Noppen ("Chocolate Chip Starfish"). Sehr robust.
- Gefahr: Nicht riffgeeignet! Er ist ein Fleischfresser und frisst Korallen, Muscheln, Schnecken und manchmal schlafende Fische.
- Eignung: Nur für reine Fischbecken oder Artenbecken ohne Korallen.
4. Krankheiten und Probleme
"Melting" (Auflösung)
Wenn sich an den Armspitzen oder am Zentralkörper weißer Schleim bildet und das Gewebe zerfällt, ist dies meist ein Zeichen für einen osmotischen Schock (zu schnelle Eingewöhnung) oder fortgeschrittenes Verhungern.
- Maßnahme: Kaum behandelbar. Manchmal hilft ein Bad in einer leichten Jod-Lösung (spezielle Aquaristik-Produkte), aber die Überlebenschance ist gering.
Fressfeinde
Vermeide die Vergesellschaftung mit:
- Drückerfischen
- Kugelfischen / Kofferfischen
- Großen Lippfischen
- Harlekin-Garnelen (Hymenocera picta) – diese ernähren sich ausschließlich von Seesternen.
5. Fazit & Checkliste vor dem Kauf
Bevor du einen Seestern kaufst, stelle dir folgende Fragen:
- Wie alt ist mein Becken? (Unter 6 Monate: Warte lieber noch, außer beim Archaster).
- Habe ich Sand? (Wenn ja: Archaster typicus ist ideal).
- Will ich Farbe? (Sei dir bewusst, dass Fromia und Linckia oft verhungern, wenn das Becken zu "steril" oder zu klein ist).
- Habe ich Fressfeinde im Becken?
Ein Seestern ist kein Tier, das man "einfach so" dazu setzt. Mit der richtigen Vorbereitung und einer sehr langsamen Eingewöhnung können Arten wie der Archaster typicus jedoch jahrelange, nützliche Begleiter sein.







