Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
✓ Letztes Update 07.05.2026✓

Seesterne im Meerwasseraquarium

Seesterne (Asteroidea) gehören zum Stamm der Stachelhäuter (Echinodermata) und sind in fast jedem Riffaquarium ein optisches Highlight. Doch Vorsicht: Viele der bunten Arten, die im Handel angeboten werden, sind Nahrungsspezialisten und für junge Becken ungeeignet. Dieser Guide hilft dir, die richtige Wahl zu treffen und die Tiere langfristig gesund zu halten.

1. Allgemeine Anforderungen & Wasserwerte

Seesterne besitzen kein Gehirn und kein echtes Blut, sondern ein Ambulacralsystem (ein Wassergefäßsystem), mit dem sie sich bewegen und Nährstoffe transportieren. Da dieses System direkt mit dem Umgebungswasser interagiert, reagieren sie extrem empfindlich auf Dichteschwankungen.

Ideale Wasserwerte

  • Dichte (Salinität): Muss sehr stabil sein! 1.023 – 1.024 (bzw. 35 psu).
  • Temperatur: 24°C – 26°C.
  • Nitrat (NO3) & Phosphat (PO4): Niedrig, aber nachweisbar. Zu hohe Nährstoffwerte können Bakterieninfektionen begünstigen; "Nullwerte" führen oft zum Verhungern (da der Biofilm zurückgeht).
  • Beckenalter: Für die meisten Arten (außer Sandseesterne) sollte das Becken mindestens 6–12 Monate stehen, damit sich genügend Mikrofauna und Biofilme gebildet haben.

2. Der kritischste Punkt: Kauf und Eingewöhnung

Etwa 50% der Seesterne sterben innerhalb des ersten Monats aufgrund von zwei Fehlern: Osmotischer Schock und Luftkontakt.

Die "Niemals an die Luft"-Regel

Seesterne dürfen niemals aus dem Wasser gehoben werden.

  • Der Grund: Gelangt Luft in das Ambulacralsystem, kann der Seestern diese oft nicht mehr herauspressen. Es entsteht eine Embolie, das Kanalsystem verstopft, das Tier stirbt langsam ab.
  • Transport: Beim Kauf darauf achten, dass der Händler das Tier unter Wasser eintütet.

Die Tröpfchenmethode (Eingewöhnung)

Eine schnelle Anpassung tötet das Gewebe (Nekrose/Auflösen der Armspitzen).

  1. Lege den Transportbeutel in einen Eimer (oder lass ihn im Becken schwimmen zum Temperaturausgleich).
  2. Gib über einen Zeitraum von 2 bis 4 Stunden tröpfchenweise Aquarienwasser hinzu (am besten mit einem Luftschlauch und einer Klemme).
  3. Das Wasservolumen sollte sich mindestens vervierfachen.

3. Beliebte Arten und ihre Eignung

Nicht jeder Seestern passt in jedes Becken. Hier ist eine Unterscheidung nach Schwierigkeitsgrad:

A) Für Einsteiger & Saubermänner 

Grabender Seestern (Archaster typicus)

  • Aussehen: Grau-beige mit Muster, eher unauffällig.
  • Funktion: Der nützlichste Seestern überhaupt. Er lebt im Sand, gräbt ihn um und frisst Futterreste sowie Detritus.
  • Futter: Futterreste, Detritus. Sollte bei sehr sauberem Bodengrund gezielt mit Futtertabletten, die im Sand vergraben werden, zugefüttert werden.
  • Haltung: Unproblematisch, Paarhaltung möglich.

Gänsefußseestern (Asterina sp.)

  • Aussehen: Winzig (0,5 – 1 cm), meist weiß/grau, oft asymmetrisch.
  • Status: Kommen meist als "blinde Passagiere" mit Lebendgestein.
  • Achtung: Vermehren sich durch Teilung rasant. Einige Arten fressen Algen (gut), andere gehen an Krustenanemonen (Zoanthus) oder SPS-Korallen (schlecht). Im Zweifel absammeln oder Harlekin-Garnelen (Fressfeinde) einsetzen (nur leihweise!).

B) Für Fortgeschrittene (Aufwuchsfresser)

Diese Tiere sind wunderschön, verhungern aber oft langsam (über 6-12 Monate), da sie Biofilme, Bakterienrasen und Schwämme fressen, die wir nicht künstlich füttern können.

Roter Seestern (Fromia monilis / Fromia milleporella)

  • Aussehen: Leuchtend rot, teils mit Plattenmuster. Bleibt relativ klein (bis 10 cm).
  • Problem: Sehr empfindlich auf Dichteschwankungen.
  • Futter: Ernährt sich fast ausschließlich von Mikroorganismen auf Steinen. Nimmt kaum Ersatzfutter an.
  • Voraussetzung: Becken ab 300 Liter, Standzeit > 1 Jahr, viel Lebendgestein.

Blauer Seestern (Linckia laevigata)

  • Aussehen: Intensives Königsblau. Wird groß (bis 30-40 cm).
  • Problem: Braucht riesige Flächen zum Abweiden. In Becken unter 500-700 Litern fast nicht dauerhaft haltbar.
  • Voraussetzung: Großes, gut eingefahrenes Riff. Sehr transportempfindlich.

C) Vorsicht: Räuber!

Walzen-Seestern / Noppenseestern (Protoreaster nodosus)

  • Aussehen: Oft beige mit großen, dunklen Noppen ("Chocolate Chip Starfish"). Sehr robust.
  • Gefahr: Nicht riffgeeignet! Er ist ein Fleischfresser und frisst Korallen, Muscheln, Schnecken und manchmal schlafende Fische.
  • Eignung: Nur für reine Fischbecken oder Artenbecken ohne Korallen.

4. Krankheiten und Probleme

"Melting" (Auflösung)

Wenn sich an den Armspitzen oder am Zentralkörper weißer Schleim bildet und das Gewebe zerfällt, ist dies meist ein Zeichen für einen osmotischen Schock (zu schnelle Eingewöhnung) oder fortgeschrittenes Verhungern.

  • Maßnahme: Kaum behandelbar. Manchmal hilft ein Bad in einer leichten Jod-Lösung (spezielle Aquaristik-Produkte), aber die Überlebenschance ist gering.

Fressfeinde

Vermeide die Vergesellschaftung mit:

  • Drückerfischen
  • Kugelfischen / Kofferfischen
  • Großen Lippfischen
  • Harlekin-Garnelen (Hymenocera picta) – diese ernähren sich ausschließlich von Seesternen.

5. Fazit & Checkliste vor dem Kauf

Bevor du einen Seestern kaufst, stelle dir folgende Fragen:

  1. Wie alt ist mein Becken? (Unter 6 Monate: Warte lieber noch, außer beim Archaster).
  2. Habe ich Sand? (Wenn ja: Archaster typicus ist ideal).
  3. Will ich Farbe? (Sei dir bewusst, dass Fromia und Linckia oft verhungern, wenn das Becken zu "steril" oder zu klein ist).
  4. Habe ich Fressfeinde im Becken?

Ein Seestern ist kein Tier, das man "einfach so" dazu setzt. Mit der richtigen Vorbereitung und einer sehr langsamen Eingewöhnung können Arten wie der Archaster typicus jedoch jahrelange, nützliche Begleiter sein.

Produkte filtern

3 x verfügbar
Archaster typicus - grabender Seestern
Archaster typicus
Archaster typicus – Der Grabende Seestern Der Archaster typicus, oft auch als Sand-Seestern oder Pfeilstern bezeichnet, ist einer der nützlichsten Bewohner für ein Meerwasseraquarium. Er übernimmt die Rolle eines "Bodenstaubs ...

24,00 €*
2 x verfügbar
Linckia laevigat
Linckia laevigata
Linckia laevigata – Der Blaue Seestern Der Blaue Seestern (Linckia laevigata) ist ein ikonischer Bewohner korallenreicher Riffe im Indopazifik. Seine intensive Färbung macht ihn zum Blickfang, doch seine Haltung erfordert Ged ...

35,00 €*
2 x verfügbar
Linckia sp. rot
Linckia sp. rot
Linckia sp. Red (Roter Seestern) Der rote Linckia-Seestern ist aufgrund seiner leuchtenden Farbe ein Blickfang in jedem Meerwasseraquarium. Er gilt jedoch als anspruchsvoller Pflegling, der eine sehr stabile Umgebung und ein ...

35,00 €*
2 x verfügbar
Ophiomastix annulosa
Ophiomastix annulosa
Kettenglieder-Schlangenstern wird bis zu 20cm groß und ernährt sich von Aas, Kadaver, Detritus (totes organisches Material).

22,00 €*
ausverkauft
Fromia indica - Seestern
Fromia indica - Seestern
Fromia indica - Indischer Seestern wird ca 9cm groß. Er sollte nur in sehr gut eingefahrenen Meerwasseraquarien gehalten werden.

29,00 €*
ausverkauft
Fromia pacifica - Seestern
Fromia pacifica - Seestern
Fromia pacifica - Pazifischer Seestern wird nur ca 7cm groß. Er ist leuchtend Rot mit hellgelben Spitzen. Er lebt von Aas, Kadaver, Detritus (totes organisches Material), das Aquarium sollte also schon einige Monate eingefahr ...

29,95 €*
ausverkauft
Ophiolepis superba
Ophiolepis superba
Gebänderter Schlangenstern wird bis zu 20cm groß und ernährt sich von Aas, Kadaver, Detritus (totes organisches Material).

22,00 €*

Seesterne im Meerwasseraquarium

Seesterne (Asteroidea) gehören zum Stamm der Stachelhäuter (Echinodermata) und sind in fast jedem Riffaquarium ein optisches Highlight. Doch Vorsicht: Viele der bunten Arten, die im Handel angeboten werden, sind Nahrungsspezialisten und für junge Becken ungeeignet. Dieser Guide hilft dir, die richtige Wahl zu treffen und die Tiere langfristig gesund zu halten.

1. Allgemeine Anforderungen & Wasserwerte

Seesterne besitzen kein Gehirn und kein echtes Blut, sondern ein Ambulacralsystem (ein Wassergefäßsystem), mit dem sie sich bewegen und Nährstoffe transportieren. Da dieses System direkt mit dem Umgebungswasser interagiert, reagieren sie extrem empfindlich auf Dichteschwankungen.

Ideale Wasserwerte

  • Dichte (Salinität): Muss sehr stabil sein! 1.023 – 1.024 (bzw. 35 psu).
  • Temperatur: 24°C – 26°C.
  • Nitrat (NO3) & Phosphat (PO4): Niedrig, aber nachweisbar. Zu hohe Nährstoffwerte können Bakterieninfektionen begünstigen; "Nullwerte" führen oft zum Verhungern (da der Biofilm zurückgeht).
  • Beckenalter: Für die meisten Arten (außer Sandseesterne) sollte das Becken mindestens 6–12 Monate stehen, damit sich genügend Mikrofauna und Biofilme gebildet haben.

2. Der kritischste Punkt: Kauf und Eingewöhnung

Etwa 50% der Seesterne sterben innerhalb des ersten Monats aufgrund von zwei Fehlern: Osmotischer Schock und Luftkontakt.

Die "Niemals an die Luft"-Regel

Seesterne dürfen niemals aus dem Wasser gehoben werden.

  • Der Grund: Gelangt Luft in das Ambulacralsystem, kann der Seestern diese oft nicht mehr herauspressen. Es entsteht eine Embolie, das Kanalsystem verstopft, das Tier stirbt langsam ab.
  • Transport: Beim Kauf darauf achten, dass der Händler das Tier unter Wasser eintütet.

Die Tröpfchenmethode (Eingewöhnung)

Eine schnelle Anpassung tötet das Gewebe (Nekrose/Auflösen der Armspitzen).

  1. Lege den Transportbeutel in einen Eimer (oder lass ihn im Becken schwimmen zum Temperaturausgleich).
  2. Gib über einen Zeitraum von 2 bis 4 Stunden tröpfchenweise Aquarienwasser hinzu (am besten mit einem Luftschlauch und einer Klemme).
  3. Das Wasservolumen sollte sich mindestens vervierfachen.

3. Beliebte Arten und ihre Eignung

Nicht jeder Seestern passt in jedes Becken. Hier ist eine Unterscheidung nach Schwierigkeitsgrad:

A) Für Einsteiger & Saubermänner 

Grabender Seestern (Archaster typicus)

  • Aussehen: Grau-beige mit Muster, eher unauffällig.
  • Funktion: Der nützlichste Seestern überhaupt. Er lebt im Sand, gräbt ihn um und frisst Futterreste sowie Detritus.
  • Futter: Futterreste, Detritus. Sollte bei sehr sauberem Bodengrund gezielt mit Futtertabletten, die im Sand vergraben werden, zugefüttert werden.
  • Haltung: Unproblematisch, Paarhaltung möglich.

Gänsefußseestern (Asterina sp.)

  • Aussehen: Winzig (0,5 – 1 cm), meist weiß/grau, oft asymmetrisch.
  • Status: Kommen meist als "blinde Passagiere" mit Lebendgestein.
  • Achtung: Vermehren sich durch Teilung rasant. Einige Arten fressen Algen (gut), andere gehen an Krustenanemonen (Zoanthus) oder SPS-Korallen (schlecht). Im Zweifel absammeln oder Harlekin-Garnelen (Fressfeinde) einsetzen (nur leihweise!).

B) Für Fortgeschrittene (Aufwuchsfresser)

Diese Tiere sind wunderschön, verhungern aber oft langsam (über 6-12 Monate), da sie Biofilme, Bakterienrasen und Schwämme fressen, die wir nicht künstlich füttern können.

Roter Seestern (Fromia monilis / Fromia milleporella)

  • Aussehen: Leuchtend rot, teils mit Plattenmuster. Bleibt relativ klein (bis 10 cm).
  • Problem: Sehr empfindlich auf Dichteschwankungen.
  • Futter: Ernährt sich fast ausschließlich von Mikroorganismen auf Steinen. Nimmt kaum Ersatzfutter an.
  • Voraussetzung: Becken ab 300 Liter, Standzeit > 1 Jahr, viel Lebendgestein.

Blauer Seestern (Linckia laevigata)

  • Aussehen: Intensives Königsblau. Wird groß (bis 30-40 cm).
  • Problem: Braucht riesige Flächen zum Abweiden. In Becken unter 500-700 Litern fast nicht dauerhaft haltbar.
  • Voraussetzung: Großes, gut eingefahrenes Riff. Sehr transportempfindlich.

C) Vorsicht: Räuber!

Walzen-Seestern / Noppenseestern (Protoreaster nodosus)

  • Aussehen: Oft beige mit großen, dunklen Noppen ("Chocolate Chip Starfish"). Sehr robust.
  • Gefahr: Nicht riffgeeignet! Er ist ein Fleischfresser und frisst Korallen, Muscheln, Schnecken und manchmal schlafende Fische.
  • Eignung: Nur für reine Fischbecken oder Artenbecken ohne Korallen.

4. Krankheiten und Probleme

"Melting" (Auflösung)

Wenn sich an den Armspitzen oder am Zentralkörper weißer Schleim bildet und das Gewebe zerfällt, ist dies meist ein Zeichen für einen osmotischen Schock (zu schnelle Eingewöhnung) oder fortgeschrittenes Verhungern.

  • Maßnahme: Kaum behandelbar. Manchmal hilft ein Bad in einer leichten Jod-Lösung (spezielle Aquaristik-Produkte), aber die Überlebenschance ist gering.

Fressfeinde

Vermeide die Vergesellschaftung mit:

  • Drückerfischen
  • Kugelfischen / Kofferfischen
  • Großen Lippfischen
  • Harlekin-Garnelen (Hymenocera picta) – diese ernähren sich ausschließlich von Seesternen.

5. Fazit & Checkliste vor dem Kauf

Bevor du einen Seestern kaufst, stelle dir folgende Fragen:

  1. Wie alt ist mein Becken? (Unter 6 Monate: Warte lieber noch, außer beim Archaster).
  2. Habe ich Sand? (Wenn ja: Archaster typicus ist ideal).
  3. Will ich Farbe? (Sei dir bewusst, dass Fromia und Linckia oft verhungern, wenn das Becken zu "steril" oder zu klein ist).
  4. Habe ich Fressfeinde im Becken?

Ein Seestern ist kein Tier, das man "einfach so" dazu setzt. Mit der richtigen Vorbereitung und einer sehr langsamen Eingewöhnung können Arten wie der Archaster typicus jedoch jahrelange, nützliche Begleiter sein.