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✓ Letztes Update 04.03.2026✓

Haltungsguide: Weich- und Lederkorallen (Alcyonacea)

Weich- und Lederkorallen gehören zu den beliebtesten Pfleglingen im Meerwasseraquarium. Sie sind bekannt für ihre Robustheit, ihre faszinierenden Bewegungen in der Strömung und ihre Eignung für Einsteiger.

1. Beschreibung und Unterschiede

Obwohl beide Gruppen taxonomisch eng verwandt sind (Ordnung Alcyonacea), unterscheidet man sie in der Aquaristik meist anhand ihrer Gewebestruktur:

  • Weichkorallen (z.B. Capnella, Xenia, Anthelia):Haben ein eher wässriges, sehr flexibles Gewebe. Sie pumpen sich mit Wasser auf und ziehen sich bei Störung stark zusammen. Sie besitzen kein festes Kalkskelett, sondern stabilisieren sich durch kleine Kalknadeln (Sklerite) im Gewebe.
  • Lederkorallen (z.B. Sarcophyton, Sinularia, Lobophytum):Haben eine festere, ledrige Haut. Sie sind massiver und fühlen sich bei Berührung oft rau oder glatt wie Leder an. Auch sie nutzen Sklerite zur Stabilität.

2. Haltungsempfehlungen

Weich- und Lederkorallen gelten als sehr tolerant, was sie ideal für den Erstbesatz macht. Dennoch benötigen sie stabile Parameter, um gut zu wachsen.

Wasserwerte (Idealbereich)

Im Gegensatz zu empfindlichen Steinkorallen (SPS) vertragen Weichkorallen leicht erhöhte Nährstoffwerte oft sogar besser als extrem sauberes Wasser („Nullwerte“).

  • Temperatur: 24°C – 26°C
  • Salinität: 34 – 35 PSU (Dichte ca. 1.023)
  • Karbonathärte (KH): 7 – 9 °dKH
  • Calcium (Ca): 400 – 440 mg/l
  • Magnesium (Mg): 1250 – 1350 mg/l
  • Nitrat (NO₃): 5 – 20 mg/l (Toleranzbereich ist groß)
  • Phosphat (PO₄): 0,03 – 0,1 mg/l

Beleuchtung

  • Lichtbedarf: Mittel bis Hoch.
  • Die meisten Weichkorallen ernähren sich primär über ihre symbiotischen Algen (Zooxanthellen) von Licht.
  • Bei zu wenig Licht strecken sie sich oft unnatürlich lang oder werden braun.
  • Sie kommen mit fast allen gängigen Lichtquellen (LED, T5) zurecht.

Strömung

  • Strömungsstärke: Mittel bis Stark.
  • Die Strömung ist essenziell für die Reinigung. Da sie kein festes Skelett haben, biegen sie sich in der Strömung, was ästhetisch sehr reizvoll ist.
  • Wichtig: Die Strömung sollte turbulent sein, aber nicht als "harter Strahl" direkt auf das Gewebe treffen, da dies Löcher verursachen kann.

3. Besonderheiten im Verhalten

Die Häutung (Reinigungsprozess)

Dies ist der Punkt, der Einsteiger oft am meisten verunsichert. Lederkorallen (besonders Sarcophyton und Lobophytum) reinigen sich regelmäßig.

  1. Phase 1: Die Polypen ziehen sich komplett ein. Die Koralle sieht klein und "gummiartig" aus.
  2. Phase 2: Die Oberfläche glänzt wachsartig. Es bildet sich ein dünner Schleimfilm (Tunika).
  3. Phase 3: Nach einigen Tagen (manchmal bis zu einer Woche) löst sich dieser Film fetzenartig ab.
  4. Ergebnis: Die Koralle öffnet sich wieder und ist oft größer als zuvor.

Tipp: Wenn die Häutung sehr lange dauert, kann man die Strömung kurzzeitig erhöhen oder mit der Hand vorsichtig nachhelfen ("wedeln"), um den alten Film zu entfernen.

Chemische Kriegsführung (Nesselgifte & Terpene)

Weichkorallen nesseln meist schwach (im Vergleich zu LPS-Korallen), aber sie führen einen chemischen Krieg. Sie geben Terpene und andere Hemmstoffe ins Wasser ab, um das Wachstum von Steinkorallen in der Nachbarschaft zu unterdrücken.

  • Empfehlung: Bei einem Mischbecken (Weich- und Steinkorallen) sollte dauerhaft oder regelmäßig über Aktivkohle gefiltert werden, um diese Giftstoffe zu binden.
  • Platzierung: Halte Abstand zu Steinkorallen. Eine große Lederkoralle kann eine benachbarte Acropora allein durch Berührung oder chemische Nähe schädigen.

4. Beliebte Arten für Einsteiger

  1. Pilzlederkoralle (Sarcophyton): Der Klassiker. Sieht aus wie ein Pilz, lange Polypen. Bietet oft Clownfischen einen Ersatz für Anemonen.
  2. Kenia-Bäumchen (Capnella): Wächst extrem schnell und sieht aus wie ein kleiner Baum. Vermehrt sich durch Abschnüren von Ästen.
  3. Fingerlederkoralle (Sinularia): Bildet dicke, fingerartige Äste. Sehr robust.
  4. Pumpende Xenie (Xenia umbellata): Fasziniert durch die pulsierende Bewegung der Polypen. Achtung: Kann im Aquarium zur Plage werden, da sie sehr schnell wächst!
  5. Orgelkoralle (Tubipora musica): Eigentlich eine Röhrenkoralle mit rotem Kalkskelett, wird aber oft pflegetechnisch zu den Weichkorallen gezählt.

5. Fütterung

Die meisten im Handel erhältlichen Arten sind photosynthetisch und müssen nicht zwingend gefüttert werden. Sie profitieren jedoch von:

  • Zugabe von Phytoplankton.
  • Staubfutter / Zooplankton.
  • Gelösten organischen Nährstoffen (Amino-Mixe).

Fazit

Weich- und Lederkorallen sind wunderschöne, bewegliche Tiere, die Fehler verzeihen und Bewegung ins Riff bringen. Wer die "Häutungsphasen" kennt und ihnen genug Platz (wegen des schnellen Wachstums) einräumt, wird lange Freude an ihnen haben.

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1. Beschreibung und Unterschiede

Obwohl beide Gruppen taxonomisch eng verwandt sind (Ordnung Alcyonacea), unterscheidet man sie in der Aquaristik meist anhand ihrer Gewebestruktur:

  • Weichkorallen (z.B. Capnella, Xenia, Anthelia):Haben ein eher wässriges, sehr flexibles Gewebe. Sie pumpen sich mit Wasser auf und ziehen sich bei Störung stark zusammen. Sie besitzen kein festes Kalkskelett, sondern stabilisieren sich durch kleine Kalknadeln (Sklerite) im Gewebe.
  • Lederkorallen (z.B. Sarcophyton, Sinularia, Lobophytum):Haben eine festere, ledrige Haut. Sie sind massiver und fühlen sich bei Berührung oft rau oder glatt wie Leder an. Auch sie nutzen Sklerite zur Stabilität.

2. Haltungsempfehlungen

Weich- und Lederkorallen gelten als sehr tolerant, was sie ideal für den Erstbesatz macht. Dennoch benötigen sie stabile Parameter, um gut zu wachsen.

Wasserwerte (Idealbereich)

Im Gegensatz zu empfindlichen Steinkorallen (SPS) vertragen Weichkorallen leicht erhöhte Nährstoffwerte oft sogar besser als extrem sauberes Wasser („Nullwerte“).

  • Temperatur: 24°C – 26°C
  • Salinität: 34 – 35 PSU (Dichte ca. 1.023)
  • Karbonathärte (KH): 7 – 9 °dKH
  • Calcium (Ca): 400 – 440 mg/l
  • Magnesium (Mg): 1250 – 1350 mg/l
  • Nitrat (NO₃): 5 – 20 mg/l (Toleranzbereich ist groß)
  • Phosphat (PO₄): 0,03 – 0,1 mg/l

Beleuchtung

  • Lichtbedarf: Mittel bis Hoch.
  • Die meisten Weichkorallen ernähren sich primär über ihre symbiotischen Algen (Zooxanthellen) von Licht.
  • Bei zu wenig Licht strecken sie sich oft unnatürlich lang oder werden braun.
  • Sie kommen mit fast allen gängigen Lichtquellen (LED, T5) zurecht.

Strömung

  • Strömungsstärke: Mittel bis Stark.
  • Die Strömung ist essenziell für die Reinigung. Da sie kein festes Skelett haben, biegen sie sich in der Strömung, was ästhetisch sehr reizvoll ist.
  • Wichtig: Die Strömung sollte turbulent sein, aber nicht als "harter Strahl" direkt auf das Gewebe treffen, da dies Löcher verursachen kann.

3. Besonderheiten im Verhalten

Die Häutung (Reinigungsprozess)

Dies ist der Punkt, der Einsteiger oft am meisten verunsichert. Lederkorallen (besonders Sarcophyton und Lobophytum) reinigen sich regelmäßig.

  1. Phase 1: Die Polypen ziehen sich komplett ein. Die Koralle sieht klein und "gummiartig" aus.
  2. Phase 2: Die Oberfläche glänzt wachsartig. Es bildet sich ein dünner Schleimfilm (Tunika).
  3. Phase 3: Nach einigen Tagen (manchmal bis zu einer Woche) löst sich dieser Film fetzenartig ab.
  4. Ergebnis: Die Koralle öffnet sich wieder und ist oft größer als zuvor.

Tipp: Wenn die Häutung sehr lange dauert, kann man die Strömung kurzzeitig erhöhen oder mit der Hand vorsichtig nachhelfen ("wedeln"), um den alten Film zu entfernen.

Chemische Kriegsführung (Nesselgifte & Terpene)

Weichkorallen nesseln meist schwach (im Vergleich zu LPS-Korallen), aber sie führen einen chemischen Krieg. Sie geben Terpene und andere Hemmstoffe ins Wasser ab, um das Wachstum von Steinkorallen in der Nachbarschaft zu unterdrücken.

  • Empfehlung: Bei einem Mischbecken (Weich- und Steinkorallen) sollte dauerhaft oder regelmäßig über Aktivkohle gefiltert werden, um diese Giftstoffe zu binden.
  • Platzierung: Halte Abstand zu Steinkorallen. Eine große Lederkoralle kann eine benachbarte Acropora allein durch Berührung oder chemische Nähe schädigen.

4. Beliebte Arten für Einsteiger

  1. Pilzlederkoralle (Sarcophyton): Der Klassiker. Sieht aus wie ein Pilz, lange Polypen. Bietet oft Clownfischen einen Ersatz für Anemonen.
  2. Kenia-Bäumchen (Capnella): Wächst extrem schnell und sieht aus wie ein kleiner Baum. Vermehrt sich durch Abschnüren von Ästen.
  3. Fingerlederkoralle (Sinularia): Bildet dicke, fingerartige Äste. Sehr robust.
  4. Pumpende Xenie (Xenia umbellata): Fasziniert durch die pulsierende Bewegung der Polypen. Achtung: Kann im Aquarium zur Plage werden, da sie sehr schnell wächst!
  5. Orgelkoralle (Tubipora musica): Eigentlich eine Röhrenkoralle mit rotem Kalkskelett, wird aber oft pflegetechnisch zu den Weichkorallen gezählt.

5. Fütterung

Die meisten im Handel erhältlichen Arten sind photosynthetisch und müssen nicht zwingend gefüttert werden. Sie profitieren jedoch von:

  • Zugabe von Phytoplankton.
  • Staubfutter / Zooplankton.
  • Gelösten organischen Nährstoffen (Amino-Mixe).

Fazit

Weich- und Lederkorallen sind wunderschöne, bewegliche Tiere, die Fehler verzeihen und Bewegung ins Riff bringen. Wer die "Häutungsphasen" kennt und ihnen genug Platz (wegen des schnellen Wachstums) einräumt, wird lange Freude an ihnen haben.