Nachzucht von Meerwasser Fischen

Nachzucht mariner Fische

Spätestens seit „Findet Nemo“ sind Clownfische ziemlich angesagt. Über kurz oder lang legen fast alle paarweise gehaltenen Clownfische regelmäßig Gelege ab und so entsteht bei vielen Aquarianern der Wunsch, sich einmal selbst an der Nachzucht dieser schönen Tiere zu erfreuen.

Meistens kommt nach der Freude ziemlich schnell Ernüchterung, denn das Nachziehen von Meerwasserfischen ist bei weitem nicht mit gängigen Tieren aus der Süßwasseraquaristik vergleichbar. Folgende Faktoren müssen im ersten Schritt bedacht werden: Art des Fisches, Aufzuchtbehälter, Wärme, Strömung, Sauerstoff und vor allem Futter.

Der Reihe nach: häufig im Meerwasseraquarium vertreten und deshalb häufig nachgezüchtet sind beispielsweise Clownfische, Seenadeln, Kardinalsbarsche und Leierfische. Während Clownfische ihre Eier an Gestein oder Scheibe anbringen und solange Brutpflege betreiben bis die Larven schlüpfen entlassen Seenadeln fertige Larven aus der Bauchtasche des Männchens, die den fertigen Seenadeln schon recht ähnlich sehen. Bei den Kardinalsbarschen trägt das Männchen die Eier in seinem Mund (Maulbrüter), bis die Fische geschlüpft und wenige Millimeter groß sind. Bei dieser Prozedur droht das Männchen zu verhungern, weil es komplett auf die Nahrungsaufnahme verzichtet. Leierfische geben ihre Eier in das freie Wasser ab.

Je nach Fischart ist die Herangehensweise also unterschiedlich. Bei Clownfischen müssen die Larven mit einem Becher abgefischt werden, sobald diese Schlüpfen und werden mittels einer punktuellen Beleuchtung angelockt. Beobachtet man seine Seenadeln gut, erkennt man den Rhythmus der Entlassung der Larven und kann sie so ebenfalls gut mit einem Becher abfangen. Alternativ kann das Männchen in das Aufzuchtbehältnis separiert werden. Kleine Kardinalsbarsche sind bereits recht robust und können so auch mit einem feinen Kescher abgefischt werden, vorausgesetzt man ist schneller als die übrigen Aquarienbewohner, die die kleinen zum fressen gerne haben. Die Eier von Leierfischen müssen abgefischt und grobperlig belüftet werden, zum Beispiel in einem Inkubator für Fischeier, um nicht zu verpilzen.

Wenn die erste Hürde des Abfischen geschafft ist, ziehen die Larven/kleine Fische in ein Aufzuchtbehältnis um. Bewährt haben sich günstige 12l Becken, bei einer geringeren Anzahl an Tieren auch noch kleinere Behälter. Bedenke: Die Beckengröße ist entscheidend für die später benötigte Futterdichte! Lieber klein starten und die Größe langsam steigern.

Das Wasser im Aufzuchtbehälter muss ähnlich wie das Hauptbecken temperiert werden. Zum anfänglichen Umsetzen empfiehlt es sich, identische Verhältnisse herzustellen. Später kann je nach Art die Temperatur etwas höher als im Hauptbecken sein. Ein an die Größe des Behälters angepasster Heizstab darf nicht fehlen. Die meisten Larven vertragen anfangs keine Strömung. Sie müssten ständig dagegen ankämpfen und sinken irgendwann erschöpft zu Boden, wo sie schlussendlich verenden. Es empfiehlt sich also mittels einer regelbaren Luftpumpe langsam zu belüften. Achtung: Die Nachzucht von Garnelenlarven unterscheidet sich grundlegend von der der meisten Fische, hier ist ein spezieller Larvenkreisel nötig, in dem die Larven immer in der Schwebe gehalten werden.

Sind alle diese Hürden überwunden, stellt sich die größte Herausforderung: Die Larven müssen ernährt werden. Anders als in der Süßwasseraquaristik gibt es kein fertiges Futtergranulat, mit dem die Aufzucht funktionieren würde. Je nach Art des Fisches benötigt es verschiedene Arten von Plankton. Dabei gilt es zwischen Phyto- und Zooplankton zu unterscheiden. Phytoplankton sieht wie eine grüne oder braune Suppe bestehend aus Mikroalgen aus, während Zooplankton aus mikroskopisch kleinen Krebsen besteht. Zooplankton ernährt sich von Phytoplankton und Larven ernähren sich von Zooplankton.

Um entsprechendes Zooplankton züchten zu können benötigt es sehr viel größere Mengen an Phytoplankton. Man benötigt also mehrere Behälter voll Phytoplankton. Dafür eignen sich große Ikeaboxen, mit einer einfachen LED beleuchtet, Belüftung und entsprechendem Dünger funktioniert die Vermehrung von Phytoplankton bei den einfachen Arten (zB. Nannochloropsis sp.) sehr gut. Mit dem produzierten Phytoplankton vermehrt man anschließend Zooplankton, hier bietet sich Branchionus an. Für viele Larven ist aber kleineres, schwieriger zu kultivierendes Zooplankton nötig. Zooplankton benötigt keine Beleuchtung, eine belüftete Ikea Box ist ausreichend. Um das Zooplankton für die Larven abzufangen eigenen sich bestimmte Siebe, die auf die Größe der Krebschen angepasst sind.

Die Anreicherung des Zooplankton mit Vitaminen und Mineralien empfehle ich sehr. Gängige Präparate sind im Internet erhältlich, wenn auch sehr teuer. Für die Zucht von Clownfischen und Kardinal Barschen empfehle ich, einen Versuch mit hochwertigen angereicherten Micro-Artemia zu versuchen. Das ist weit weniger aufwendig als die Herstellung von Zooplankton und auch deutlich günstiger und schneller. Wenn die Eier in guter Qualität sind schlüpfen die Artemia innerhalb von 24 Stunden und man benötigt nicht, wie bei Zooplankton, wochenlange Vorbereitungszeit. Trotzdem empfehlen sich hier mindestens 2 Artemiabrutstationen, da sonst nicht genügend Nachschub produziert werden kann. Die angereicherten Larven sollten nicht länger als 24 Stunden im Kühlschrank aufgehoben werden.



Wenn nun Futter, Larven und ein geeigneter Behälter bereit ist beginnt die eigentliche Zucht. Die Larven müssen „im Futter stehen“, damit sie ohne viel Energie zu verbrauchen Nahrung aufnehmen können. Achtung, an Schalen von Artemia Eiern können die Fische sterben, also immer gut aussieben! Der Behälter sollte zweimal am Tag vorsichtig mit einem Luftschlauch von Dreck und toten Tieren gereinigt werden.

Trotz aller Vorbereitung werden Tiere sterben. Vielleicht benötigt es mehrere Anläufe, bis man überhaupt ein Tier durch bekommt. Finanziell wird sich die Zucht, zumindest am Anfang, keinesfalls lohnen. Aber: Durch Versuch und auch Scheitern leistet man einen Beitrag dazu, dass immer weniger Tiere dem Meer entnommen werden müssen. Mit den gemachten Erfahrungen kann man anderen helfen, die sich an der Zucht versuchen wollen. Ich halte die Nachzucht von Meerwasserfischen für sehr wichtig für die Zukunft der Meerwasser Aquaristik und würde mir wünschen, dass es mehr Menschen versuchen würden. Gerade mit Clownfischen und Kardinal Barschen kann man gut Erfahrungen sammeln, diese sind deutlich genügsamer als andere Fische. Eine gute Seite um sich genau über die Aufzucht der jeweiligen Art zu informieren ist die Interessengemeinschaft für marine Nachzuchten. Ich hoffe dass es weiterhin neue Erfolge in der Zucht von Meerwasserfischen zu verzeichnen gibt und die Entnahme aus dem Meer irgendwann überflüssig wird.

Kundenbeitrag©Home-Coral

 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.